Meta AI: Warum Meta Ihre Daten nutzen möchte
- und weshalb sich ein Widerspruch lohnen kann
Im Mai 2025 sorgte eine Ankündigung von Meta für eine große mediale Aufmerksamkeit: Das Unternehmen nutzt ab dem 27. Mai 2025 öffentliche Inhalte aus seinen Social Media Diensten Facebook und Instagram zum Training seiner Künstlichen Intelligenz "Meta AI" nutzen, sofern Nutzerinnen und Nutzer nicht aktiv widersprechen. Zeitungen, Verbraucherschützer und Datenschutzbehörden berichteten ausführlich darüber und rieten den Nutzerinnen und Nutzer die Möglichkeit zum Widerspruch wahrzunehmen. Doch wie schaut es heute aus? Ist das Thema inzwischen erledigt? Haben die meisten Menschen widersprochen? Und lohnt sich ein Widerspruch überhaupt noch?
Bei meinen Vorträgen und Workshops merke ich immer wieder, dass trotz der damaligen Berichterstattung viele Teilnehmende noch nie von Meta AI und der Möglichkeit des Widerspruchs gehört haben. Andere erinnern sich zwar an die Schlagzeilen, sind sich aber unsicher, ob sie damals tatsächlich widersprochen haben oder ob sich ein Widerspruch heute überhaupt noch lohnt.
Die Süddeutsche Zeitung und andere große Medien berichteten damals von „Hunderttausenden, vielleicht gar Millionen Menschen in Europa“, die aktiv widersprochen haben. Selbst wenn man von mehreren Millionen Widersprüchen ausgeht, steht diese Zahl rund 450 Millionen monatlich aktiven Nutzerinnen und Nutzern der Meta-Plattformen in Europa gegenüber. Die große Mehrheit dürfte daher keinen Widerspruch eingelegt haben.
Grund genug also, das Thema noch einmal in Ruhe zu betrachten. Was steckt hinter Meta AI? Warum benötigt eine Künstliche Intelligenz überhaupt Daten? Weshalb interessiert sich Meta für öffentliche Beiträge seiner Nutzerinnen und Nutzer? Welche Chancen bietet diese Entwicklung, welche Risiken sind bekannt – und warum kann sich ein Widerspruch auch heute noch lohnen?
Dieser Beitrag möchte deshalb keine Angst machen, sondern erklären. Denn nur wer versteht, wie Künstliche Intelligenz funktioniert und warum Unternehmen wie Meta Daten sammeln möchten, kann anschließend eine eigene, informierte Entscheidung treffen.
Was ist Meta AI überhaupt?
Meta AI ist die Künstliche Intelligenz des US-amerikanischen Unternehmens Meta von Mark Zuckerberg. Zu Meta gehören unter anderem auch Facebook, Instagram und WhatsApp. Der Konzern dominiert damit den weltweiten Social-Media-Markt. Die Nutzerzahlen verdeutlichen diese Dimension: Facebook erreicht rund 3,1 Milliarden monatlich aktive Nutzer, Instagram rund 3 Milliarden und WhatsApp mehr als 3 Milliarden Nutzer weltweit.
Meta AI ist inzwischen in die Plattformen integriert und lässt sich derzeit nicht vollständig deaktivieren oder entfernen. Sie können Meta AI beispielsweise verwenden, um Fragen zu stellen, Texte schreiben zu lassen, Ideen zu sammeln oder Informationen zu suchen. Ähnlich wie ChatGPT, Gemini oder Claude soll Meta AI eine digitale Assistentin sein. Damit eine solche KI sinnvoll antworten kann, benötigt sie allerdings eines: Erfahrung.
Ein Mensch sammelt unterschiedlichste Erfahrungen im Laufe seines Lebens und lernt aus diesen. Er liest Bücher, hört anderen Menschen zu, beobachtet Situationen und merkt sich Zusammenhänge. Eine Künstliche Intelligenz besitzt diese Lebenserfahrung nicht. Sie muss stattdessen mit riesigen Mengen an Daten trainiert werden.
Erst dadurch lernt sie,
- wie Sprache aufgebaut ist,
- welche Wörter zusammengehören,
- wie Menschen Fragen stellen,
- wie Bilder beschrieben werden,
- welche Zusammenhänge häufig auftreten.
Man kann sich das vorstellen wie einen Menschen, der Millionen Bücher, Zeitungsartikel, Internetseiten und Gespräche lesen dürfte – allerdings in einer Geschwindigkeit, die für Menschen unmöglich wäre. Je mehr hochwertige Beispiele eine KI erhält, desto besser werden ihre Antworten.
Warum interessiert sich Meta ausgerechnet für meine Daten?
Die gute Nachricht: Meta interessiert sich nicht wirklich für "genau" Ihre Daten. Für Meta ist die Summe aller gesammelten Daten interessant. Bei rund 3,58 Milliarden Menschen, die täglich mindestens einen Meta-Dienst nutzen, kommen so gewaltige Datenmengen zusammen. Jeden Tag werden neue Fotos, Kommentare, Diskussionen, Meinungen, Bewertungen zu immer neuen und alten Themen erstellt. Social Media zeigt nahezu in Echtzeit, was Menschen bewegt: aktuelle Ereignisse, neue Begriffe, Diskussionen, Meinungen, Bilder, Trends und Alltagssituationen. Genau diese Aktualität kann keine Enzyklopädie leisten. Für das Training von Meta AI sind diese Informationen äußerst wertvoll, denn sie helfen der KI natürlichere Antworten zu erzeugen.
Hinzu kommt ein weiterer wichtiger Aspekt: Meta verdient sein Geld hauptsächlich mit Werbung. Je attraktiver Facebook, Instagram und WhatsApp für Nutzer werden, desto länger bleiben Menschen auf diesen Plattformen. Eine leistungsfähige KI kann dabei helfen. Sie müssen die Plattform nicht mehr verlassen: Meta AI beantwortet Fragen, unterstützt beim Schreiben, erklärt Inhalte oder hilft bei der Suche. Dadurch können viele Aufgaben, für die Sie früher eine Suchmaschine, Wikipedia oder andere Websites genutzt haben, heute direkt innerhalb der Meta-Plattform erledigt werden.
Während im Jahr 2012 die durchschnittliche Onlinezeit auf Social Media Plattformen bei 90 Minuten täglich je Nutzer betrug, sind wir heute bei 140 Minuten täglich. Je länger und aktiver Menschen die Plattformen nutzen, desto mehr personalisierte Werbung kann Meta anzeigen. Das steigert die Einnahmen des Unternehmens. Deshalb investieren Unternehmen wie Meta, Google, Microsoft oder OpenAI inzwischen jedes Jahr Milliardenbeträge in die Entwicklung neuer KI-Systeme. Daten sind dabei längst zu einem der wichtigsten Wirtschaftsgüter der digitalen Welt geworden.
Genau deshalb sind öffentliche Beiträge, Kommentare und Bilder für Meta weit mehr als Inhalte einer Social-Media-Plattform – sie sind zugleich wertvolle Trainingsdaten für die Weiterentwicklung der eigenen Künstlichen Intelligenz.
Welche Daten sind betroffen und welche ausdrücklich nicht?
Meta verwendet nicht alle Daten, die auf seinen Plattformen vorhanden sind. Nach den Angaben des Unternehmens geht es in Europa grundsätzlich um öffentliche Inhalte, also beispielsweise:
- öffentliche Beiträge
- öffentliche Kommentare
- Bildbeschreibungen
- öffentlich zugängliche Fotos und Videos
- öffentlich sichtbare Profilinformationen
Viele Nutzer sind überrascht, welche Inhalte tatsächlich öffentlich sichtbar sind. Es lohnt sich deshalb, die Privatsphäre-Einstellungen der eigenen Konten gelegentlich zu überprüfen. Nach den Angaben von Meta werden nicht öffentliche Inhalte, also beispielsweise Beiträge, die nur für Sie selbst, Ihre Freunde oder einen eingeschränkten Personenkreis sichtbar sind, nicht für das Training von Meta AI verwendet. Nicht dazu gehören nach den Angaben von Meta ebenfalls private Nachrichten zwischen Personen, die Ende-zu-Ende-verschlüsselt sind, etwa in WhatsApp oder im Facebook Messenger.
Wichtig ist außerdem: Es geht nicht darum, dass einzelne Beiträge später als Antwort der KI erscheinen. Die Inhalte dienen vielmehr als Trainingsmaterial, damit die KI Sprache, Zusammenhänge und aktuelle Themen besser versteht. Eine KI lernt vielmehr, wie Menschen schreiben, welche Wörter häufig zusammen verwendet werden oder wie bestimmte Themen erklärt werden.
Welche Risiken sind bekannt?
Wie jede Künstliche Intelligenz bringt auch Meta AI einige Risiken mit sich, über die offen gesprochen werden sollte.
Bereits verwendete Daten lassen sich kaum wieder entfernen
Wurden Daten bereits zum Training von Meta AI genutzt, können sie in der Regel nicht einfach wieder aus dem Modell gelöscht werden. Deshalb wirkt ein Widerspruch grundsätzlich nur für zukünftige Trainingsvorgänge.
Meta AI kann personenbezogene Informationen wiedergeben
In wissenschaftlichen Untersuchungen wurde gezeigt, dass große Sprachmodelle unter bestimmten Bedingungen Inhalte aus ihren Trainingsdaten nahezu wörtlich wiedergeben können. Dazu gehörten beispielsweise Namen, Telefonnummern, E-Mail-Adressen oder andere personenbezogene Informationen, die in den Trainingsdaten enthalten waren. Solche Fälle sind nicht der Normalfall, zeigen aber, warum Datenschutz beim Training von KI-Systemen eine wichtige Rolle spielt.
Kontrollverlust über veröffentlichte Inhalte
Wer Inhalte öffentlich veröffentlicht, verliert häufig den Überblick darüber, wer diese nutzt oder weiterverarbeitet. Das Training von Meta AI ist ein weiteres Beispiel dafür. Viele Nutzer waren sich gar nicht bewusst, dass ihre öffentlichen Beiträge künftig auch für das Training einer Künstlichen Intelligenz verwendet werden könnten. Ein weiterer Punkt wird häufig übersehen: Haben andere Personen Ihre öffentlichen Beiträge bereits geteilt, zitiert oder erneut veröffentlicht, können diese Inhalte weiterhin als öffentliche Inhalte verfügbar sein. Ein Widerspruch gegen die Nutzung Ihrer eigenen Daten führt deshalb nicht automatisch dazu, dass jede Kopie oder Weiterverbreitung ebenfalls ausgeschlossen ist.
Warum sich Widerspruch noch lohnt
Ein Widerspruch wirkt grundsätzlich für zukünftige Trainingsvorgänge. Wurden öffentliche Inhalte bereits zum Training einer KI verwendet, können sie in der Regel nicht nachträglich wieder aus dem Modell entfernt werden. Deshalb kann sich ein Widerspruch auch heute noch lohnen. Auch wenn sich die Vergangenheit dadurch nicht ändern lässt, trägt der Widerspruch dazu bei, dass künftig veröffentlichte Inhalte nicht mehr für das Training von Meta AI verwendet werden.
Im Fall der Fälle: So legen Sie Widerspruch ein
Wenn Sie nicht möchten, dass Meta Ihre zukünftig öffentlichen Inhalte zum Training von Meta AI verwendet, können Sie Widerspruch einlegen. Die gute Nachricht: Der Vorgang dauert in der Regel nur wenige Minuten. Meta bietet die Möglichkeit, über Formulare bei Facebook und Instagram zu widersprechen. Bei beiden Social Media Diensten werden die Formulare werden nur angezeigt, wenn Sie eingeloggt sind.
1. Links zu den Formularen
Facebook: https://www.facebook.com/help/contact/6359191084165019
Instagram: https://help.instagram.com/contact/233964459562201
2. Angabe E-Mail-Adresse Pflicht
Die Angabe einer E-Mail-Adresse, an die Meta eine Bestätigung des Widerspruchs senden kann, ist Pflicht. Es kann auch eine E-Mail-Adresse sein, mit der Sie nicht bei Ihrem Konto angemeldet sind (zum Beispiel, wenn Sie sich nur mit einer Handynummer registriert haben).
3. Begründung nicht erforderlich
Das Feld für die Begründung kann frei bleiben, diese ist für den Widerspruch nicht erforderlich.
4. Abschicken und prüfen
Nach Abschicken des Widerspruchs erhalten Sie eine Bestätigung an die angegebene E-Mail-Adresse. E-Mail Postfach aufrufen und prüfen ob die Bestätigung angekommen ist.
5. Formular(e) erneut aufrufen
Formular in allen Konten noch einmal aufrufen. Auch hier sollte der Widerspruch vermerkt sein.
Abschließender Hinweis zum Widerspruch
Wenn Sie der Datennutzung durch Meta schon früher widersprochen haben, müssen Sie das eigentlich nicht noch einmal tun – Ihre alte Absage bleibt gültig. Ob dieser Widerspruch jetzt automatisch für all Ihre Accounts gilt, hängt davon ab, ob Sie Ihre Konten miteinander verbunden haben. Das können Sie ganz einfach in Ihrer Kontenübersicht überprüfen. Tauchen dort Facebook und Instagram gemeinsam als Profile auf, sind sie verknüpft. In diesem Fall reicht ein einziger Widerspruch für beide Plattformen aus.
Wenn Ihre Konten dort jedoch getrennt sind, müssen Sie die Datennutzung für jedes Konto einzeln ablehnen. Das gilt auch, wenn Sie mehrere verschiedene Profile auf Facebook oder Instagram nutzen. Für jedes eigenständige Konto ist ein eigener Widerspruch nötig. Wer hierbei kein Risiko eingehen möchte, schickt die Ablehnung am besten einfach für jedes Profil noch einmal ab, selbst wenn das in der Vergangenheit schon erledigt wurde.
Fazit
Ob Sie der Nutzung Ihrer öffentlichen Inhalte widersprechen möchten, kann Ihnen niemand abnehmen. Wichtig ist jedoch, dass Sie diese Entscheidung bewusst treffen – und nicht deshalb, weil Ihnen die Möglichkeit zum Widerspruch gar nicht bekannt war. Denn Datenschutz beginnt nicht mit einem Formular, sondern mit einer informierten Entscheidung.